
Natürlich ist jeder fähige Komponist in der Lage, mit den klassischen Regeln zu brechen und dabei dennoch ein in sich stimmiges Stück Musik zu erschaffen.
Das folgende Beispiel ist der Beginn der
Varationen über ein Thema von Joseph Haydn für zwei Klaviere op. 56b von Johannes Brahms (1833-1897).
Der Einfachheit wegen wurde hier eine Reduktion auf ein Klavier vorgenommen.
Zunächst eine Veränderung des Originals, die der Gestalt vorgenommen wurde, dass sein formaler Aufbau
der einer klassischen Periode entspricht: Die römischen Ziffern entsprechen der Zuordnung der Takte
zu ihren Aufgaben innerhalb der Halbsatzstruktur
( I - II: frei, III: Kadenz, IV:
Schlussakkord).
Die arabischen Ziffern nummerieren die tatsächlichen Taktzahlen innerhalb eines Halbsatzes. Im
veränderten Beispiel stimmen die römischen mit den arabischen Ziffern überein.
Das Original hat jedoch zehn Takte. Obwohl die Anzahl der Takte ungerade ist, entsteht nicht das Gefühl, dass die Periode "hinkt". Erreicht wird das dadurch, dass der zweite Takt jedes Halbsatzes wiederholt und der jeweilige Inhalt nochmals aufgegriffen (IIa - IIb) und danach weitergeführt wird.
Die römischen und arabischen Ziffern weichen nun voneinander ab:
Abweichung vom viertaktigen Schema einer Periode (2)