
Der folgende Kanon ist der komplizierteste.
Cantus firmus (BLAU) und kanonischer Kontrapunkt (GRÜN, ROT) erhalten auch hier jeweils ein eigenes Notensystem (reale Beantwortung, Link ist ein Popup). Beide Notenschlüssel des Kontrapunkes zeigen das Einsatzintervall auf und der auf dem Kopf stehende Violinschlüssel nebst den dazugehörigen B-Vorzeichen (ROT) deuten darauf hin, dass es sich hier wieder um einen Spiegelkanon handelt. In der Überschrift weist Bach jedoch darauf hin, dass der zweite Kanonstimmeneinsatz zusätzlich zur Siegelung in der Vergrößerung ("per augmentationem", Link ist ein Popup), d.h. in doppelt so langen Notenwerten zu erfolgen hat. Der Kontrapunkt zum c. f. ist also ein Vergrößerungskanon in der Umkehrung.
Das bedeutet:
Einerseits muss die Kanonstimme zum c. f. ohne Zeitversatz, andererseits muss um den
Eisatzabstand versetzt der eigene Spiegel in doppelten Notenwerten zu sich selbst und zum c. f. passen. Da durch die Vergrößerung der zweiten
Kanonstimme der Bezug zu den beiden anderen Stimmen zeitlich immer mehr anwächst (denn sie braucht ja doppelt so viel Zeit, um einmal durchgespielt zu werden), können die beiden anderen
Stimmen ZWEIMAL gespielt werden, während die vergrößerte Stimme einmal erklingt. Hier ein
grafischer Eindruck der komplexen Zusammenhänge dieses Kanons. Die übereinander liegenden Punkte entsprechen Noten,
die harmonische Zusammenklänge bilden, die Verbindungslinien und -bögen zwischen den Punkten machen zwingende
Abhängigkeiten deutlich.
Die Farben dieser Grafiken entsprechen den Stimmen bzw. der Lesart des ganz oben mit der jeweils selben Farbe markierten Notenschlüssels.