
Durchführung |
T.59 - T.138 |
|---|---|
=> Durchführung I: |
T.59 - T.109 |
Durchführung II: |
T.109 - T.131 |
Überleitung: |
T. 131 - T.138 |
Nach der Wiederholung der Exposition vermittelt eine kurze zweitaktige Überleitung, die letzten drei
Akkorde der Exposition aufgreifend, mit dem Dominant-Terzquart-Akkord von As-dur (tG von c-moll, worin die Exposition endete, tP von f-moll, der Tonart des Satzes) zur Durchführung.
As-dur ist nun die neue Tonika.
Die Durchführung kann in zwei Teile gegliedert werden: T.59 - T.109 und T.109 - T.131. Im ersten Teil wird auf das erste Thema des ersten Satzes Bezug genommen und so alles im Finale Gesagte offensichtlicher mit dem ersten Satz in Zusammenhang gebracht. Die Sonate als Ganzes erfährt so eine starke Geschlossenheit der Form. Dabei wird das erste Thema des ersten Satzes nicht einfach nur zitiert, denn inzwischen sind die zwei Mittelsätze und die Exposition des Finalsatzes erklungen, und das hat natürlich seine Spuren hinterlassen.
Gemeinsam sind beiden Themenversionen
der aufwärts gebrochene Dreiklang der Tonika (rot markiert),
das Umspielen einer Note (grün markiert),
die gleichartige Begleitung in der linken Hand (lila markiert),
die Verwendung des Vorhaltes (hellblau markiert),
und die fallende kleine Terz zwischen dem letzten Ton des gebrochenen
Dreiklanges und dem letzten Ton des Themenkopfes.


Die im Finale vorkommende Themenversion unterscheidet sich von der am Beginn der Sonate erklingenden durch den milderen, freundlicheren Charakter, der hauptsächlich durch das unterschiedliche Tongeschlecht (im Finale: As-dur, im ersten Satz: f-moll) und die weichere Artikulation (im Finale: "gesungenes" Legato, im ersten Satz: akzentuiertes Staccato) erreicht wird. Umgeben von den furiosen zwei Themen der Exposition auf der einen Seite und vom zweiten Teil der Durchführung, der das erste Thema des Finales wieder aufgreift und in Beziehung zum Thema des ersten Satzes bringt auf der anderen Seite, wirkt das milde As-dur wie eine Insel der scheinbaren Ruhe. Dieser Eindruck wird auch dadurch verstärkt, dass die sonst allgegenwärtige Triolenbewegung in den Takten, in denen das dem ersten und letzten Satz gemeinsame Thema erklingt, nicht vorkommt (T.59 - T.108, T.111/112, T.115/116, T.119 - T.126).
Dieser erste Teil der Durchführung besteht aus einer Gruppe aus zehn Takten
und einer aus zwei mal acht Takten.
Die beiden Gruppen werden jeweils einmal etwas variiert wiederholt. Periodenbildung im klassischem Sinne findet nicht statt, da
hier das Schema des kadenzierenden III. und des den
Schlussakkord beinhaltenden IV. Taktes eines Halbsatzes
meistens nicht verwirklicht ist.
(Deswegen sind die römischen Ziffern, die die Taktfunktionen bezeichnen in der Grafik oben klein dargestellt.)
Dennoch hat dieser As-dur-Teil eine kleine eigenständige klassische A-B-A'-Form, vergleichbar etwa mit der des
Themas aus dem ersten Satz von Mozerts A-dur-Klaviersonate KV331.
Interessant fällt in diesem Zusammenhang der Vergleich zwischen dem A - und dem A'-Teil aus.
(In der Grafik unten sind die verschiedenen Teile unterschiedlich eingefärbt, die entsprechenden Takte stehen übereinander.)
Der A-Teil ist gegenüber dem A'-Teil um die Takte 61/62 erweitert. So hat das Thema beim ersten Erklingen mehr Zeit sich zu entfalten, beim zweiten hingegen ist es auf das Wesentliche reduziert. Diese zwei zusätzlichen Takte haben Konsequenzen: Da sie im A'-Teil fehlen, ist schon der zweite Thementakt (T.88) mit der Dominante harmonisiert. Also muss die harmonische Spannungskurve unterschiedlich verlaufen: In T.64 fällt diese auf die Tonika zurück, in T.90 steigert sie sich zu einem Zwischen-Dv zur Sp. Um im A'-Teil die Schlusswirkung zu verstärken, wird der "Vorbildtakt" 65 zu zwei Takten gedehnt (T.91/92, linker roter Kasten in der Grafik oben), dafür entfällt die Entsprechung für T.66. Die Takte 67/68 werden in den Takten 93/94 übernommen (rechter roter Kasten in der Grafik obern).