
Johann Phillip Kirnberger war ein Schüler Johann Sebastian Bachs. Bach setzte sich um 1720 herum sehr für die damals noch nicht etablierte wohltemperierte Stimmung ein, indem er z.B. 1722 den ersten Teil seines bahnbrechenden Werkes "Das wohltemperierte Clavir" heraus gab. In diesem Zyklus komponierte er für jede Dur- und Molltonart je ein
Sechzehn Jahre nach Bachs Tod, also 1766, errechnete Kirnberger seine erste Version der wohltemperierten Stimmung, die allerdings eine Quinte enthält, der den Wolfsquinten der mitteltönigen Stimmungen an Missklang in nichts nachsteht. Neu im Vergleich zu Werckmeisters Stimmungen ist, dass es keine "zu weiten" Quinten mehr gibt.
Kirnberger I:
Die Quinte "d - a" wird um das syntonische Komma (sK) [!!] (entpricht ca.11/12 des pythagoreischen Kommas), die Quinte "fis - cis" um das Schisma (entspricht ca. 1/12 des
pythagoreischen Kommas) (pK) enger gestimmt. Die anderen Quinten bleiben rein.
Die großen Terzen "c - e", "d - fis", "f - a", "g - h" und die kleinen Terzen "e - g", "a- c" und "h - d" sind in dieser Stimmung rein gestimmt, der Preis dafür ist die unbrauchbare Quinte.
Kirnberger II (1771):
Das syntonische Komma, das die Quinte "d - a" in der 1. Kirnbergerstimmung alleine "tragen" muss, wird hier auf
zwei Quinten verteilt:
Die beiden Quinten "d- a" und "a - e" werden um je 1/2 sK, die Quinte "fis- cis" um ein Schisma enger gestimmt.
Die anderen Quinten bleiben rein.
Kirnberger III (1779):
Hier wird das -11/12 pK auf vier Quinten verteilt:
Die vier Quinten "c - g", "g - d", "d - a" und "a - e" werden um je 1/4 sK und die Quinte "fis - cis" um ein Schisma zu eng gestimmt.
Die anderen Quinten bleiben rein.
Die letzte Version ist bis jetzt die ausgeglichenste.
Zum besseren Vergleich sind hier alle verschiedenen zu engen Quinten auf einen Quint-Grundton transponiert (" a' "). Die Quinte, die um das Schisma zu eng gestimmt ist, entspricht bis auf 1/100 Cent einer der heute üblichen Stimmung. Die letzte Quinte ist eine reine natürliche.
Die verschiedenen Dur- bzw. Mollakkorde klingen, abgesehen von ihrer jeweiligen Tonhöhe unterschiedlich. Hier alle Dur- und Mollakkorde im Vergleich:

