Die folgende Durchführung (Auftakt zu T.49) beginnt mit dem ersten Thema in der Tonikaparallele As-dur. Wie am Beginn der Sonate wird dabei das Themenmotiv einmal in der Dominante wiederholt, allerdings fehlt bei der Wiederholung der gebrochene Akkord (Teilmotiv a, rot). Dadurch erklingt der verzierte punktierte Rhythmus (Teilmotiv b, blau) zweimal nacheinander. So entsteht der Eindruck einer gewissen Unbeschwertheit, ausgelöst durch das feundliche Ende der vorangegangenen Exposition.
Durch die harmonische Wendung
in den Takten 52-54, die den vorangehenden Takten 49-51 entsprechen, wandelt sich die Unbeschwertheit
zurück in die Dramatik vom Beginn des Satzes. Es wird deutlich: Das Problem ist nicht gelöst.
In T.55 setzt das "bange" zweite Thema wieder ein. Obwohl eine Modulation bereits in T.52 begonnen hat, tritt erst von hier an der Vorgang der thematischen Arbeit in den Vordergrund, der für eine Durchführung charakteristisch ist. Von der Ausgangstonart As-dur geht der Weg über b-moll (T.55), und c-moll (T.63) zurück zur Haupttonart f-moll, deren Dominante in T.81 erreicht wird.
Interessant ist, wie ab dem Auftakt zu T.74 beide Teilmotive des zweiten Themas auf jeweils zwei synkopierte Töne reduziert werden (Teilmotiv a: grün, Teilmotiv b: blau). So wird eine starke rhythmische Kraft erzeugt und der Vorwärtsdrang verstärkt.
Diese Steigerung gipfelt in den Takten 80/81, in denen die vier Akkorde in den Oberstimmen an die entsprechenden Akkorde der Begleitung des ersten Themas erinnern:
In T.81 ist mit der Dominante von f-moll (Grundtonart) ein hohes Spannungsniveau erreicht, auf dem das Geschehen bis T.94 verweilt ("Stehenbleiben auf der Dominante" : c im Bass). Nach den dramatischen Bewegungen der bisherigen Durchführung wirkt dieser Moment wie ein Zustand banger Erwartung.
Die Takte 95-100 führen hin zur Reprise und klären so die Unsicherheit.
Das erste Thema erklingt in der Haupttonart f-moll, vertraute Klänge des Sonatenbeginns lassen zunächst etwas Entspannung zu. Die unbeantwortete Frage, die vom ersten Thema schon am Anfang der Exposition gestellt wurde, erhält jedoch in der Reprise durch den veränderten Rhythmus der Begleitung in den Takten 105-108 einen entschlossenen Nachdruck, als ob der Erwartung Ausdruck verliehen werden soll, dass durch die Geschehnisse der Durchführung nun eine Antwort möglich geworden sei.
Die Einrichtung (Auftakt zu T.109-T.119), die formal der Modulation in der Exposition entspricht, hat hier keinerlei hoffnungsvollen Ausdruck mehr und lässt erahnen: Das zweite Thema, das ab T.119 nun in der Tonika erklingt, wirkt nun eher wie eine Bestätigung der Aussage der Exposition und nicht wie eine Auflösung des Problems.
Alles, was folgt, hat die gleiche Wirkung: nämlich die, sich damit abzufinden, dass es die ersehnte freundliche Lösung nicht geben wird. Erreicht wird das damit, das alle Elemente nun in der Tonika und nicht wie in der Exposition in der Tonikaparallele erklingen.
Zum Abschluss bestätigt die Coda mit entschlossenen Akkorden, die den beiden Schlussakkorden der Exposition entlehnt sind, die Aussage der Reprise.
Grafische Zusammenfassung:
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