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Der Kanon

 

 Der Begriff Kanon kommt aus dem altgriechischen: “κανών“ bedeutet “Maßstab, Regel,
Richtschnur”. Ein Kanon ist eine Melodie, eine musikalische Linie, die zeitversetzt zu sich selbst
erklingen kann. Sie imitiert und kontrapunktiert sich selbst. Er muss daher mindestens zweistimmig
sein, kann aber auch viel mehr Stimmen haben.

 Bei einem vierstimmigen Kanon kontrapunktiert und imitiert die Kanonmelodie um einen immer
gleich großen zeitlichen Abstand versetzt drei weitere Male sich selbst, bevor sie ihr Ende erreicht. Nach dem vierten Stimmeneinsatz erklingen also vier verschiedene Stellen der Kanonmelodie
gleichzeitig.

Da ein Kanon ja nur aus einer Melodie besteht, braucht auch nur diese notiert zu werden.
Außerdem muss noch verdeutlicht werden, wann die weiteren Kanonstimmen einsetzen sollen.
Dies geschieht z.B., indem über den Stellen der Kanonmelodie, an denen die weiteren Stimmen
einsetzen, ihre jeweiligen Nummern notiert werden.

Es gibt einige vierstimmige Kanons, die allgemein bekannt sind, z.B. “Viel Glück und viel Segen”.

Notation:

Kanon01a02

Ausführung:

Kanon01b03

 Wenn jede Stimme aufhört zu singen, wenn sie ihre Melodie einmal durchgesungen hat, ”verebbt”
der Kanon nach und nach. Um das zu vermeiden, beginnt jede Stimme nach erreichen des letzten
Melodientons von neuem. Wann der Kanon beendet wird, muss verabredet werden. Als
Schlussakkord wird eine Stelle gewählt, die eine Schlusswirkung hat.

“Viel Glück und viel Segen” ist ein Beispiel für einen Kanon der einfachsten Art.  Es gibt sehr viel
kompliziertere Möglichkeiten, einen Kanon zu gestalten.
Durch einen Kanon ist ein Komponist in der Lage, eine musikalische Linie unterschiedlich wirken
zu lassen, ohne dass etwas anderes als sie selbst erklingt.
Sie verändert sich selbst, ohne ihre Gestalt zu verändern.
Das lässt Raum für philosophische Betrachtungen, die der Komponist mit der individuellen Gestaltung seines Kanons in unterschiedliche Richtungen lenken kann.

Diese Möglichkeiten wurden von
Johann Sebastian Bach (1685 - 1750) gründlich ausgeschöpft.

Das Einsatzintervall