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Die Sonatenhauptsatzform

 

Die hier abgebildete Grafik zeigt das Schema der klassischen Sonatenhautsatzform.

SHSchema01a
(Zum Vergrößern und Ausdrucken [bitte im Querformat] bitte anklicken [79 kB].)

Die wichtigsten Elemente sind zwei gegensätzliche Themen. Aus der Spannung dieses
 Gegensatzes gewinnt die ganze Sonate ihre Kraft. Deshalb ist nicht nur die Aussagefähigkeit der
einzelnen Themen wichtig, sondern auch in welcher Beziehung diese zueinander stehen. Es kann
also durchaus sein, dass ein Komponist zwei starke Themen hat, deren Gegenüberstellung aber
nicht genug Spannungspotential hergibt, um daraus eine Sonate zu bilden.

Die Sonatenhauptsatzform als ganzes betrachtet ergibt eine Dreiteiligkeit:

Exposition - Durchführung - Reprise.

Manche Sonaten haben am Schluss noch eine Coda, die mehr oder weniger lang ausfallen und
sich sogar noch zu einem vierten Teil ausweiten kann.

Die Exposition stellt die beiden Themen nacheinander vor, dergestalt, dass ihr charakterlicher
Gegensatz mit formalen Gestaltungsmitteln verstärkt wird.  Während das erste Thema immer in der
Grundtonart (Tonika) steht (Die Hauptfunktionen in Dur, Die leitereigenen Dreiklänge in Moll),
macht es für das zweite Thema einen Unterschied, ob es in einer Dur- oder einer Moll-Sonate
vorkommt. Handelt es sich um eine Sonate in Dur, erklingt das zweite Thema in der Dominante (D),
ist die Grundtonart eine Molltonart, erklingt es in der Tonikaparallele (tP). D.h der charakterliche
Gegensatz wird durch die tonartlichen Pole T - D in Dur bzw. t - tP in Moll verstärkt, wobei der
Unterschied in Moll größer ist, da es sich hier um verschiedene Tongeschlechter handelt.

Die Themen stehen am Beginn so genannter Themenkomplexe, in deren weiteren Verlauf die
Weiterentwicklung des jeweiligen Themas erfolgt. Oft ist nicht zu unterscheiden, wann das Thema
endet und wann die Weiterentwicklung beginnt.

Am Ende des ersten Themenkomplexes muss eine Modulation in die Tonart des zweiten Themas
stattfinden, deren Ende oft die Wirkung eines “Doppelpunktes” in Form entschlossen klingender
Akkorde hat, gefolgt von einer kurzen Pause steht. Dieser Vorgang lässt das zweite Thema erwarten:

Dopp
Beispiel aus dem 1. Satz der C-Dur-Sonate KV 545 von W. A. Mozart

Nach dem zweiten Themenkomplex endet die Exposition mit einer so genannten Schlussgruppe.
Dabei handelt es sich meistens um eine Wiederholung kadenzierender Spielfiguren.

In der Durchführung gibt es keinerlei formale Vorgaben. Ihr Sinn besteht darin, sich mit dem
Konflikt auseinander zu setzen, den die Gegensätzlichkeit der beiden Themen aus der Exposition
ausgelöst hat. Hier ist Raum für die dabei nötige thematische Arbeit. Es können dabei beide
Themen verarbeitet werden oder nur eines von beiden. Manchmal findet man in der Durchführung
keines der beiden Themen, dann übernimmt ein anderes aussagestarkes Motiv aus der Modulation
oder der Schlussgruppe deren Stelle. Welche Variante gewählt wird, erschließt sich aus dem
jeweiligen Zusammenhang. Die Durchführung endet häufig mit einem “Stehenbleiben auf der
Dominante”. Hier werden einerseits die Wogen der Durchführung geglättet, andererseits der
Beginn der Reprise vorbereitet.

Die Reprise ist eine Wiederholung der Exposition, allerdings mit einem entscheidenden
Unterschied. Hier zeigt sich die Wirkung der Durchführung: Das zweite Thema erklingt nun auch in
der Grundtonart, d.h. der Gegensatz zwischen den Themen wurde hier zu einem gewissen Grad
ausgeglichen. In einer Moll-Sonate ist dieser Effekt stärker, da nun beide Themen in Moll erklingen.
Damit das geschehen kann, muss die Modulation wegfallen, die in der Exposition den
Tonartenwechsel ermöglichte. Diese Veränderung wird Einrichtung genannt. Die Einrichtung kann
durchführungsartige Elemente enthalten. Auch die Reprise endet mit der Schlussgruppe, diesmal
aber in der Grundtonart.

Die sich eventuell anschließende Coda kann den erreichten Ausgleich zwischen den Themen
wieder zu Nichte machen, d.h. der Komponist hat hier die Gelegenheit, den Sonatenhauptsatz
“schlecht” ausgehen zu lassen. Auch hier wird häufig auf Elemente der Durchführung
zurückgegriffen.

Obwohl oft sowohl die Exposition einerseits, als auch die Durchführung, die Reprise und die
vielleicht vorhandene Coda andererseits wiederholt werden sollen, ist es eigentlich sinnvoll, nur
die Exposition zu wiederholen. So können die Themen und der beinhaltete Konflikt noch einmal
gehört werden, damit diese im weiteren Verlauf der Sonate gegenwärtiger sind. Hingegen ist es
nicht folgerichtig, am Ende der Sonate alles noch einmal ab dem Beginn der Durchführung zu
hören, da man so an einen Punkt der Entwicklung zurückgeworfen wird, der bereits erledigt ist. In
der gängigen Spielpraxis wird aus diesem Grund die zweite Wiederholung meistens weggelassen.

Literaturbeispiel: 1. Satz aus der Klaviersonate op.2, Nr.1 von Ludwig van Beethoven